Lange Reise

Nachdem ich vor lauter Aufregung und eines sehr lustigen Films im ZDF erst gegen 2 Uhr im Bett landete, klingelt mein Wecker heute früh schon um 7 Uhr. Der Plan ist es, mich fertig zu machen, den Koffer endlich zu packen und um 10:50 Uhr mit dem Bus zum Bahnhof und dann zum Flughafen zu fahren.

mein Gepäck am Bahnhof in Düren 🙂

Als ich gerade alle Taschen fertig habe, sagt mein Handy „10:49 Uhr“. Schade, den ersten Bus verpasst. Kein Problem, ich hatte das schon kalkuliert – ich kenne mich ja… Der nächste fährt laut Bahn-App schon um 11:02 Uhr. Als ich dann um 10:58 Uhr unser Haus verlasse, sehe ich gerade noch, wie der Bus an der Haltestelle losfährt. Also: noch einen Bus verpasst. Aber auch das war kalkuliert (ich kenne mich wirklich…) – nun musste ich nur einen kleinen Spaziergang zur weiter entfernten Haltestelle machen, wo um 11:20 Uhr noch ein Bus fährt. Den kriege ich auch.

Busse & Züge sind ab jetzt pünktlich und ich gebe ganz entspannt mein Gepäck auf. Ganz entspannt betone ich hier mal, weil der Flug nach Istanbul voller (Groß-) Familien mit kleiner Kinder war, für die schon die Gepäckaufgabe nicht ganz unstressig wirkte.

Auch die Sicherheitsschleuse durchquere ich so problemlos wie nie und sehe mich schon in der Abflughalle. Die Rechnung habe ich aber ohne die Passkontrolle für außer-europäische Flüge gemacht, die vor der Abflughalle wartet. Von weitem sehe ich zwei Polizisten hinter ihren Handys – ich schiebe vorsichtig meinen Ausweis durch.

Der Polizei-Beamte legt das Handy weg, schaut sich in Ruhe meinen Ausweis an und fragt nach einer Einverständnis meiner Eltern, da ich ja unter 18 sei. Ich erwidere, dass laut der Webseite des Auswärtigen Amtes nur unter 16-jährige eine solche für eine Reise nach Israel benötigen. Leicht genervt griff er zum Telefon und berät sich wohl mit einem Kollegen. Dann faselt er noch etwas von „Erziehungsberechtigt sind ja immer noch die Eltern“, gibt mir meinen Ausweis wieder und ich darf passieren.

Wie immer ist natürlich noch über eine Stunde bis der Flug geht. Zu meiner Freude gibt es einen Telekom-Hotspot, sodass ich die Zeit zum Arbeiten nutzen kann. Plötzlich sitzt ein älterer Mann neben mir und zeigt auf mein Laptop: „total praktisch, so können Sie ja den Check-In direkt machen“. Obwohl ich die Frage nicht ganz verstehe, antworte ich ohne Lust auf eine Konversation „klar, ist ja überall WLAN hier“ und wende mich wieder meiner Arbeit zu. Er unterbricht mich zwei weitere Male, bis er zum Punkt kommt: „Dann können Sie ja meinen Flug einchecken?“ – ich frage leicht verdutzt, wie er denn in die Abflughalle gekommen sei, ohne einzuchecken. Er klärt auf, dass er von seinem Rückflug redet und ich erkläre ihm, dass ich ja das Ticket nicht ausdrucken kann. Mit der Antwort gibt er sich dann zufrieden und ich suche die Toilette auf, um mich anschließend auf einen anderen Platz zu setzen.

Mit leichter Verspätung geht’s dann in Köln los und knapp 3 Stunden bin ich in der Istanbul. Nachdem der Pilot bestimmt 30min lang ein paar Runden über die Stadt gedreht hat, bin ich beeindruckt von der Größe des Flughafens. Wir fahren bis zum aller letzten Parkplatz und werden dort von Bussen abgeholt.

"Kostenloses" WLAN am Flughafen in Istanbul
„Kostenloses“ WLAN am Flughafen in Istanbul

Im Flughafengebäude angekommen, wartet für die Transit-Gäste erstmal wieder eine Sicherheitsschleuse, die aber deutlich weniger streng war als in Köln. Schon in der Schlage scanne ich mehrfach ergebnislos nach freien WLANs. Das erste Schild, das ich dann im Abflug-Bereich sehe, wirbt für „Free WiFi“ und ich bin direkt erleichtert. Auf den zweiten Blicke sehe ich das Kleingedruckte „with a purcharse of 25TL“. Da unsere letzte Türkei-Reise schon etwas her ist, kann ich gar nicht einschätzen wie viel 25TL sind und ohne Internet kann ich es auch nicht rausfinden.

Da ich ja einen 3-4-stündigen Aufenthalt vor mir habe, erkunde ich erstmal die Läden im Abflugbereich. Neben einem riesigen DutyFree-Shop gibt es Starbucks, Mc’s, BurgerKind, ein hochwertig aussehendes Restaurant, einige Bars, zwei Döner-Buden. Verhungern werde ich also nicht. Die tollen „Free Wifi“-Schilder stehen aber längst nicht an allen Läden und überall sind sie an einen Kauf gebunden – also quasi deutsche Verhältnisse hier in Istanbul.

überteuerte XXL-Pommes, die nicht mal geschmeckt haben
überteuerte XXL-Pommes, die nicht mal geschmeckt haben

Nach längerem Vergleich von Preisen und Abwägen, worauf ich Lust habe, entscheide ich mich für die XXL-Pommes für ganze 7 € bei Bürgerking. Tipp: tut’s nicht, schmecken scheiße. Und nicht mal WLAN gibt es bei Burgerking, wo ich den Rest dieses Aufenthalts verbringe.

Die WLAN-freie Zeit nutze ich, um an einigen Projekten zu arbeiten, die schon länger keine Beachtung mehr gefunden haben – hat sich also irgendwie doch gelohnt. Auch diesen Text beginne ich hier zu schreiben – gerade ist es 22:24 Ortszeit. In 10min soll das Boarding für meinen Weiterflug beginnen. Statt des Boardings erwartet mich aber nur der Hinweis, dass der Flug 30min Verspätung hat. Ich begebe mich auf die lange und am Ende erfolglose Suche nach einer gemütlichen Sitzgelegenheit, bevor ich dann irgendwann in der Abflughalle bei GTA ende.

Den Grund für die Verspätung habe ich vermutlich nicht ganz richtig verstanden – der Pilot sagte etwas von „Flughafen in Tel Aviv geschlossen“ und „die öffnen extra für uns“. Wie dem auch sei, den Flug nutze ich wieder, um etwas zu schlafen.

Angekommen am Ben Gurion Airport in Tel Aviv
Angekommen am Ben Gurion Airport in Tel Aviv

Mit der Landung in Tel Aviv werde ich zunehmend nervös. Über die israelischen Kontrollen habe ich viel im Vorhinein gehört. Stundenlange Verhöre, Laptops, die tagelang einbehalten werden und ähnliches. Daher hatte ich während des Fluges ich noch einmal Festplattenverschlüsselung am Laptop gecheckt, Code ins iPad gemacht und den Fingerabdrucksensor am iPhone deaktiviert – keine Lust, dass da jemand in meiner Privatsphäre rumschnüffelt.

Wieder geht’s mit dem Bus ins Flughafengebäude und ich bin diesmal nicht nur von der Größe, sondern auch vom Aussehen sehr beeindruckt. Es überwiegt aber die Nervosität – daher direkt zur Passkontrolle. Die Schlangen sind lang und die Mitarbeiterinnen lassen sich bei den Ausländern sehr viel Zeit.

In der Schlange quatscht mich plötzlich von hinten jemand auf hebräisch an. Ich gebe zu erkennen, dass ich ihn nicht verstehe und er fragt (auf englisch), wo ich denn herkomme: „Germany“ – „oh ich auch!“. Was für ein Zufall. Wir unterhalten uns etwas und ich erfahre, dass er regelmäßig in Israel ist. Und er erzählt mir auch eine tolle Geschichte von eine mehrstündigen Verhör – meine Nervosität wird nicht besser.

Dann bin ich endlich dran, schiebe zitternd mein Ausweis zu der Frau in dem Kontrollhäuschen. Sie schaut ihn skeptisch an, schaut mich an und beginnt zu fragen: was ich denn in Israel mache, wie lange ich bleiben möchte, wo ich wohnen würde, ob ich studiere, ob ich genügend Geld dabei habe, welche Städte ich besuchen möchte, usw. Ich antworte immer nur sehr knapp und zeige ihr auf meinem Handy noch die Airbnb-Reservierung für die erste Woche.

Zu guter Letzt druckt sie einen kleinen Zettel aus: meine Aufenthaltsgenehmigung für 3 Monate für Israel! Meine Tasche ist die letzte auf dem Gepäckband, aber ich habe es geschafft: ich bin in Israel!

Autor: Andreas Krischer

Ich bin 17 Jahre alt, habe letztes Jahr die Schule abgeschlossen und arbeite seit dem als selbstständiger Webentwickler in meiner kleinen Agentur akbyte.com. Das hier ist mein privater Blog - über Reisen, Politik, irgendwelche Netzfundstücke oder war mir gerade einfällt. Und zur Sicherheit: alle Ansichten und Meinungen stehen völlig unabhängig von meinen Tätigkeiten bei akbyte, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN oder der GRÜNEN JUGNED.

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