Der erste Eindruck

Der Willkommensgruß am Flughafen sah in echt schöner aus, als auf dem Bild :D
Der Willkommensgruß am Flughafen sah in echt schöner aus, als auf dem Bild 😀

Das erste, was ich von Israel sehe, ist ein schickes „Welcome“-Schild: so muss das sein. Selbst am Eingang für die Passagiere, die mit Bussen von den Flugzeugen abgeholt werden, stehen schicke Palmen. Auch mit einem hervorragenden WLAN begrüßt mich der Flughafen in Tel Aviv. Bisher nichts zu bemängeln.

die pompöse Eingangshalle des Ben Gurion Airport
die pompöse Eingangshalle des Ben Gurion Airport

Auch Eingangshalle vom Flughafen macht ganz schön was her. Die ist im übrigens auch mein Aufenthaltsort für die nächsten 6 Stunden. Ich bin nämlich um kurz nach 2 gelandet und kann erst zwischen halb neun und halb zehn mein Gepäck in meinem Zimmer abgeben. Da es mitten in der Nacht ist, ich hundemüde bin und es hier WLAN gibt, entschließe ich mich also zu bleiben.

sichere Geldautomaten in Israel :D
sichere Geldautomaten in Israel 😀

Wie in Istanbul gilt: erstmal erkunden, was es so gibt. Als erstes wird ein Geldautomat aufgesucht – mal meine neue Kreditkarte ausprobieren. Der erste, den ich sah, brauchte mich erstmal zum schmunzeln. So ein auf Sicherheit bedachtes Land und dann ein Geldautomat mit so alter Software 🙂

Auf meiner Tour durch den Flughafen bin ich vorwiegend wieder auf der Suche nach einer Schlafmöglichkeit. Außerdem interessiert mich, wie ich mittels öffentlicher Verkehrsmittel in die Stadt komme. Bei letzterem bin ich auf jeden Fall erfolgreicher als bei ersterem. Ich finde zwar eine Bank, die im zweiten Stock versteckt vor einem Tür zum internen Bereich steht, sodass ich dort ziemlich ungestört war – allerdings konnte man sich dort auch nicht hinlegen.

Vorher kaufe ich mir allerdings am Bahn-Schalter eine „Rav Kav“-Card. Das ist eine Art Guthabenkarte für alle öffentlichen Verkehrsmittel in Israel. Denen werde ich auf jeden Fall nochmal einen eigenen Text widmen, aber es sei schonmal so viel gesagt: sehr schwer zu durchschauen, aber extrem gut!

Das Tagesticket für den erweitertet Bereich um Tel Aviv (der Flughafen befindet sich außerhalb in dem „erweiterten Bereich“) kostet 21,50 ₪. Beim ersten Automat lässt nur mit Kreditkarte zahlen – meine wird aber irgendwie nicht akzeptiert (oder ich war zu blöd). Obwohl ich wirklich nicht lange probiert habe, kam mir sofort ein freundlicher Pendler zur Hilfe, der mir zeigte, wie ich am anderen Automaten mit Bargeld zahlen konnte. Und er schenkte mir sogar noch die 1,50 ₪, damit ich nicht zwei Scheine einschieben muss (vielleicht wechselt der Automat nicht, keine Ahnung…). Das war mir auf der einen Seite ziemlich peinlich, aber hat mir auch sehr gefreut 🙂

Ansonsten frage ich noch beim einzigen Handy-Laden im Flughafen, was eine SIM-Karte mit einer einmonatigen Internet-Flat kostet: 250 ₪. Umgerechnet knapp 60 €. Das ist mir zu viel. Zumal ich online von deutlich günstigeren Tarifen gelesen habe.

Mein Zug fährt um 8:03 Uhr und ich scheitere schon am Eingang zur Bahn-Station. Dort muss wie bei den U-Bahnen von Paris, New York u.ä. das Ticket aufgelegt/eingesteckt werden, damit man eintreten kann. Ich mache es aber natürlich falsch und stecke meine Rav Kav ein, anstatt sie nur oben drauf zu legen.

Palmen am Flughafenbahnhof
Palmen am Flughafenbahnhof

Am Bahnhof erwarten mich wieder Palmen und unglaublicher Sonnenschein 🌞 Und dann ein kleiner Schock, als der Zug einfährt: Diesel-Lok (oder ein anderer Treibstoff?). Tatsächlich gibt es hier keine Oberleitungen und die Loks pusten oben ganz schon was aus. Im Zug traue ich mich nicht, mich hinzusetzen, da am Bahnhof eine Durchsage erklärte, dass es auch hier 1. und 2. Klasse in den Zügen gibt – allerdings alle Schilder im Zug nur auf hebräisch sind.

Glücklicherweise muss ich nicht umsteigen, sondern kann bis zu meinem Zielbahnhof einfach durchfahren. Dort ausgestiegen folge ich erstmal den Massen, um dann außerhalb des Bahnhofs festzustellen, dass ich auf der falschen Seite herausgegangen bin. Ein Zurück ist nicht möglich, da der Ausgang aus Drehkreuzen bestand.

Bis ich die Wohnung von Lior, bei dem ich für die nächsten 7 Tage wohnen werde, gefunden habe, verlaufe ich mich trotz Navi 2-3 Mal und bin dann ziemlich unsicher, ob ich richtig bin. Das Haus wirkt ziemlich runtergekommen und hat keine Tür oder Klingeln am Eingang. Ich laufe zur Sicherheit noch einmal rings herum, aber das scheint der einzige Eingang zu sein. Mein Ziel soll im ersten Stock sein. Drei Wohnungen, zwei davon falsch und eine nicht beschriftet. Die muss es sein. Tief durchgeatmet und auf die Klingel gedrückt: ein junger Mann macht auf, tritt einen Schritt zurück und sagt „hey“. Ich frage zur Sicherheit nochmal nach, ob ich richtig bin, aber das ist der Fall.

mein "Zimmer" :-)
mein „Zimmer“ 🙂

Lior bietet mir direkt etwas zu trinken an, gibt mir meinen Schlüssel und zeigt mir kurz mein Zimmer – ich stelle meine Tasche dort ab. Irgendwie möchte ich schnell wieder weg – mir ist die ganze Situation ziemlich unangenehm, weil der Check-In eigentlich erst abends angedacht war und ich im Chat das Gefühl hatte, er wäre nicht so begeistert davon, dass ich das Gepäck schon morgens vorbei bringe. Ich frage noch kurz nach dem schnellsten Weg zum Bahnhof und bin auch schon wieder weg.

Wow, erst kurz vor neun morgens früh und schon über 750 Wörter :p

Blick auf Tel Aviv-Yafo
Blick auf Tel Aviv-Yafo
Blick auf Ramat Gan
Blick auf Ramat Gan

 

Ich bin leicht irritiert, als ich am Eingang zum Bahnhof eine Sicherheitsschleuse sehe. Ich warte kurz, bis jemand kommt und vor mir hindurch geht, damit ich sehe, wie das abläuft. Die junge Dame gibt dem Sicherheitsmenschen ihre Tasche, er guckt kurz rein, sie geht durch den Detektor und dann in den Bahnhof. Das krieg ich hin. Offensichtlich merkt der Mensch mir aber meine Nervosität an – und macht es nicht besser, als er plötzlich meinen Ausweis sehen will. Und auch wieder einige Fragen stellt. Nun gut, ich darf trotzdem passieren.

Erstes Ziel: Rami Levi. Eine kleine israelische Supermarkt-Kette, die angeblich die günstigsten Internet-Flats hat. Einzige Filiale in Tel Aviv, die ich online gefunden habe, ist etwas außerhalb und zwei Bahn-Stationen entfernt. Und wisst ihr, was Tel Aviv im Gegensatz zu jeder deutschen Stadt kann? funktionierendes gratis WLAN in Bahnhöfen & Zügen!!! 😍

im Gewerbegebiet an der Bnei Berak-Haltestelle
im Gewerbegebiet an der Bnei Berak-Haltestelle

Rami Levi liegt in einem ganz schön heruntergekommenen Gewerbegebiet. Auch hier wieder eine Sicherheitskontrolle am Eingang des Supermarkts. Diesmal will der ältere Herr nur wissen, was in meiner Laptoptasche ist. Ich traue mich natürlich nicht, jemanden nach den SIM-Karten zu fragen, weshalb ich mich selber auf die Suche begebe. Nach einiger Zeit entdecke ich einen Stand hinter den Kassen, wo diese verkauft werden. Also hole ich schnell eine Flasche Wasser und drei Äpfel, um den Tag zu überstehen. Am SIM-Verkaufsstand die enttäuschende Nachricht: ich bräuchte einen israelischen Pass.

Wieder zurück zur Bahn – diesmal muss ich leider eine halbe Stunde warten. Macht aber nichts, hab ja WLAN 😉 Außerdem nutze ich die Gelegenheit, um mich mit Sonnencreme einzuschmieren, was hier dringend nötig ist.

Als nächstes fahre ich wieder zurück zu meiner „Heim“-Haltestelle, um von dort dann irgendwie in die Innenstadt zu kommen (dort fährt die Bahn leider nicht hin). Auf dem Plan für heute stehen noch immer die SIM-Karte und eine Frage zu meiner „Rav Kav“ an einem Infoschalter stellen.

Die nächsten 1-2h bin ich damit beschäftigt, das Bussystem zu durchschauen. Ich scheine an einer der größten Haltestellen zu sein – zumindest behaupten das Google und die Tatsache, dass hier im Minutentakt Busse an- und abfahren. Leider sind aber wieder alle Beschriftungen nur in hebräisch und ich bereue es zwischenzeitlich, in ein Land mit nicht-lateinischer Schrift gefahren zu sein. Nach einiger Googlelei finde ich endlich eine brauchbare Bus-Karte von Tel Aviv. Da die aber sehr unübersichtlich ist, setze ich mich erstmal in einen Bus, der wohl ungefähr in die richtige Richtung fährt.

ein Park im Norden Tel Avivs
ein Park im Norden Tel Avivs

Da die Müdigkeit langsam ihren Höhepunkt erreicht und es gerade zur Mittagszeit wirklich unglaublich heiß ist, ändere ich den Plan: auf zu dem großen Park im Norden der Stadt, den ich auf meiner Karte sehe. Der Bus hält zwei Blocks davon entfernt und ich laufe den Rest. Im Park angekommen, lege ich mich im ersten schattigen Plätzchen auf meine Jacke und schlafe sofort ein.

Nach knapp 2 Stunden wache ich erschrocken auf und mache mich auf den Weg zum nahe gelegenen Busbahnhof im Norden der Stadt, weil ich dringend zur Toilette muss. Auf der Karte sah es wie ein „echter“ Bahnhof aus, allerdings war es nicht mehr als eine große Bushaltestelle – die Chancen auf eine Toilette standen also schlecht. Allerdings war da ein kleines Häuschen, vor dem sich ein paar ältere Männer unterhielten. Seitlich an diesem Häuschen waren auch Toiletten. Im Nachhinein vermute ich, die sind für die Busfahrer*innen gedacht, aber was soll’s.

Nun ging wieder das Gerate los: mit welchem Bus komme ich in die Innenstadt, um meine Pläne zu erfüllen? Da es irgendwie keinen zu geben scheint, entschließe ich mich, zur „New Central Bus Station“ zu fahren, da es dort einen Infoschalter geben soll. Ich bemerke gar nicht, dass wir da sind, als der Bus vor dem Gebäude hält und bleibe einfach sitzen, obwohl mich der Busfahrer lange anstarrt. Er fährt weiter und hält auf der Rückseite des Gebäudes einfach noch einmal, bevor er offensichtlich in die Pause fährt. Ich steige also schnell aus und laufe zurück zum Eingang zur „New Central Bus Station“.

Das ganze wirkt für mich eher wie ein schlechtes Einkaufszentrum. Es ist dreckig, die Rolltreppen sind kaputt, viel Leerstand und ein Ramsch-Laden neben dem anderen. 7 Stockwerke – ich bin (warum auch immer) schon im dritten. Erstmal suche ich – wieder erfolglos – nach WLAN. Dann begebe ich mich auf die Suche nach besagtem Infoschalter, den ich letztendlich im 7. Stock hinter mehreren sehr kargen, einsamen Fluren finde. Es ist einfach ein Büro. Die Dame, die zuerst freundlich wirkt, dann aber forsch nach meinem Ausweis fragt, beantwortet mir meine Frage und ich gehe wieder.

Im ganzen Busbahnhof gibt es schätzungsweise 20-30 Handyläden (und nein, das ist nicht übertrieben…). Ich entschließe mich, in einem nach einer Internet-Flat zu fragen: 150 ₪, dafür aber mit Telefon- und SMS-Flat. Ist mir eigentlich immer noch zu teuer, aber weil der Mensch mich so zutextet, behaupte ich, nur kurz zum Geldautomaten zu gehen. Da ich unbedingt eine Internet-Flat haben will, überlege ich, ob ich das kaufen soll.

Während der Bedenkzeit möchte ich etwas essen. Da ich wirklich keine Lust auf Pommes habe und sonst Fast-Food meistens nicht vegan ist, suche ich nach veganen Essmöglichkeiten in Tel Aviv. Ich finde die Seite von Buddha Burgers, die mir ganz nett erscheint und ich fahre mit dem Bus dorthin.

Von außen wirkt der Laden überhaupt nicht mehr so nett und ich überlege tatsächlich einige Minuten, ob ich wirklich dort hineingehen soll. Am Ende überwiegt der Hunger und ich sitze an klebrigen Tischen und halte eine noch klebrigere und versiffte Speisekarte in der Hand. Ich entscheide mich für die Pizza – wer weiß, wann ich das nächste Mal die Chance auf eine echte vegane Pizza habe.

meine vegane Pizza im "Buddha Burgers"
meine vegane Pizza im „Buddha Burgers“

Dann mache ich noch den Fehler, ein Wasser zu bestellen. Später stelle ich nämlich fest, dass sich die anderen Gäste neben dem Getränkekühlschrank einfach kostenlos Wasser aus einem Spender nehmen.

Die Pizza war für ihren Preis zu klein, hat nicht geschmeckt und die Bedienung unhöflich. Trotzdem bekomme ich noch eine kleine Smoothie-Probe, die echt gut war. Da es zu meinem Erstaunen in dem Laden kein WLAN gab, konnte ich leider nicht mehr Internet-Flat-Preise vergleichen und entschließe mich, die Flat nach dem Essen zu buchen.

Also wieder zurück zur Bushaltestelle und da passiert es mir zum ersten Mal: ich steige in den falschen Bus. Als mir das auffällt, bin ich aber schon fast aus der Stadt raus und muss entsprechend relativ lange auf einen Bus in die andere Richtung warten.

Zurück in der Bus-Station sehe ich noch einen Handy-Laden („Hot Mobile“), der anders (und vor allem seriöser) wirke, als alle anderen, weshalb ich auch dort noch eintrete und nach dem Preis fragte: 80 ₪ (knapp 20 €) für 10 Gigabyte! Wow, da kann man ja kaum nein sagen. Ich musse glücklicherweise auch nur meinen Namen und meine Telefon-Nummer da lassen. Gezahlt wird bar.

Nun ist es schon kurz nach 6 und ich will einfach nur in mein Bett. In der Wohnung angekommen, ist Lior gerade nicht da (zum Glück – ich bin wirklich zu müde, um mich noch auf englisch zu unterhalten) und ich lege mich ins Bett.

Insgesamt war der Tag wohl stark von meiner Müdigkeit überschattet – während der Busfahrten fiel ich immer wieder in Sekundenschlaf und an längere Spaziergänge durch die Stadt war gar nicht zu denken. Morgen wird’s besser!

Autor: Andreas Krischer

Ich bin 17 Jahre alt, habe letztes Jahr die Schule abgeschlossen und arbeite seit dem als selbstständiger Webentwickler in meiner kleinen Agentur akbyte.com. Das hier ist mein privater Blog - über Reisen, Politik, irgendwelche Netzfundstücke oder war mir gerade einfällt. Und zur Sicherheit: alle Ansichten und Meinungen stehen völlig unabhängig von meinen Tätigkeiten bei akbyte, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN oder der GRÜNEN JUGNED.

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