Ausgeschlafen!

Der Mittwoch beginnt mit einem Schock, als ich nach dem Aufwachen feststelle, dass es schon 14 Uhr ist. Offensichtlich hatte ich es nach der durchwachten Reise-Nacht dringend nötig. Da in den letzten beiden Tagen leider auch einiges an Arbeit liegen geblieben ist, komme ich erst abends dazu, die Wohnung zu verlassen.

Mein Ziel war ein Park im Norden der Ramat Gans. Das ist die Stadt, in der ich hier eigentlich lebe, direkt an der Grenze zu Tel Aviv-Yaffo.

Unterwegs brauchte ich vorher aber noch dringend etwas zu Essen. Allerdings habe ich überhaupt nicht bedacht, dass auch in einer Großstadt wie Tel Aviv Geschäfte abends zu machen 😃

So sehe ich bei vielen Geschäften nur noch, wie gerade durch gewischt und dann abgeschlossen wird. Nach einiger Zeit finde ich eine kleine Imbiss-Bude, die sich außer in der Sprache der Menütafel nicht von einer aus Düren unterscheidet. Die Pommes sind mittelmäßig.

Auf dem Weg zu besagtem Park laufe ich ein bisschen Zick-Zack durch die Stadt und werde von den großen Unterschieden einzelner Straßen überrascht. Gerade laufe ich durch ein herunter gekommenes Wohnviertel und im nächsten Moment stehe ich im noblen Bankenviertel.

ein schicker Kreisverkehr in Ramat Gan
ein schicker Kreisverkehr in Ramat Gan

Was mir noch auffällt und mich ziemlich stört: die meisten Läden haben keine Schilder mit Öffnungszeiten. Ich weiß nicht, woran das liegt – möglicherweise hat es damit zu tun, dass je nach Jahreszeit der Sabbath zu einer anderen Uhrzeit beginnt. Auf jeden Fall nervt es total, jedes Mal fragen zu müssen und dann in den billigeren Supermärkten immer erst an zwei andere Mitarbeiter*innen verwiesen zu werden, bis mal jemand englisch kann.

auf die LED-Beleuchtung in den Bäumen scheint man hier zu stehen
auf die LED-Beleuchtung in den Bäumen scheint man hier zu stehen
Warnhinweis zum Thema Kundekot: "Die Täter werden durch das Gesetz bestraft"
Warnhinweis zum Thema Kundekot: „Die Täter werden durch das Gesetz bestraft“

Als ich endlich an besagtem Park ankomme, ist die Ernüchterung groß. Zuerst ist es nur ein kleiner Spielplatz, von dem Trampelpfade ins nichts zu gehen scheinen (es ist dunkel und keine Beleuchtung). Daher laufe ich noch etwas herum und stelle fest, mein „Park“ auf der Karte ist ein Wald! Weiter als 100m traue ich mich dann aber nicht hinein – erst im Nachhinein erfahre ich, dass auf den großen Warnschildern nur daran hingewiesen wird, dass Hundekot doch bitte entfernt werden soll 🙂

Ich laufe noch ein Stück um den Wald herum, um zu schauen, ob es noch etwas zu entdecken gibt. Auf der Karte erkenne ich ein Stück abgetrennte Wiese, die mich neugierig macht: ein Kindergarten mit winzigem Gebäude und riesigem Außengelände! Leider war es zu dunkel, zum Fotografieren.

Die ganze Zeit laufe ich durch riesige Wohnviertel. Die Gebäude sehen alle gleich aus – genau wie das, in dem ich wohne. Immer wieder hört man Stimmen oder Fernseher aus den Wohnungen – aber die Straßen hier wirken abends um halb zehn wie ausgestorben.

Daher geht es nun in die Innenstadt von Ramat Gan! Hier reiht sich auf langen Straßen wieder ein Geschäft an das andere. Wie bei uns in einer Fußgängerzone – nur, dass das hier eine ganz normal befahrbare Straße ist.

Plastikflaschen Sammelkiste an vielen Straßenecken in Ramat Gan
Plastikflaschen Sammelkiste an vielen Straßenecken in Ramat Gan

Nachdem ich am ersten Tag das Gefühl hatte, hier lässt jeder seinen Müll irgendwo rumliegen, habe ich heute an vielen Ecken in der Stadt nicht nur Mülleimer sondern gleich ganze Mülltrennstationen gefunden. Mit großen Tonnen für Papier und extra Behältnisse für Plastikflaschen. Und alles so gut mit Piktogrammen beschriftet, dass sogar ich das auf Anhieb verstehe 🙂

Zum Abschluss setze ich mich noch auf den zentralen Platz in Ramat Gan. Hier ist auch noch einiges an Leben – und wieder LED-Stripes in den Bäumen 😃

zentraler Platz in Ramat Gan
zentraler Platz in Ramat Gan

Der Höhe- bzw. Tiefpunkt des Tages kommt aber erst ganz zum Schluss: auf dem Heimweg gehe ich in einen mittelgroßen Supermarkt, der glücklicherweise (das habe ich vorher erfragt) bis 11 Uhr auf hat. Lange suche ich nach veganen Lebensmittel, die ich frühstücken könnte. Viel gibt es da nicht zur Auswahl – das meiste ist nur auf hebräisch beschriftet. Offensichtlich scheint es hier auch eine Art Zuckersteuer o.ä. zu geben, denn alle Süßigkeiten sind total teuer. Packung billige Kekse: 3,30 €. Alpro Soja-Pudding (4 kleine Becher): 4,60 €. Ich entscheide mich am Ende für Brot, Gurken und den Soja-Pudding. Gemüse ist nämlich erstaunlich billig.

Wieder in der Wohnung angekommen, unterhalte ich mich noch länger mit meinem Gastgeber und stelle fest, dass er ganz anders ist, als ich zuerst dachte. Da er auch im IT-Bereich tätig ist, verstehen wir uns sofort und er gibt mir einige Tipps für die nächsten Tage!

Autor: Andreas Krischer

Ich bin 17 Jahre alt, habe letztes Jahr die Schule abgeschlossen und arbeite seit dem als selbstständiger Webentwickler in meiner kleinen Agentur akbyte.com. Das hier ist mein privater Blog - über Reisen, Politik, irgendwelche Netzfundstücke oder war mir gerade einfällt. Und zur Sicherheit: alle Ansichten und Meinungen stehen völlig unabhängig von meinen Tätigkeiten bei akbyte, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN oder der GRÜNEN JUGNED.

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