Tel Aviv Marathon

Da nicht alle Tage so spannend waren wie die ersten, habe ich mich entschlossen, hier nur noch themen- statt tagesbezogene Beiträge zu veröffentlichen.

Heute, Freitag, 26.02., findet der jährliche Tel Aviv-Marathon statt. Erfahren habe ich das mehr oder weniger zufällig. Bereits an den ersten Tagen ist mir auf der Karte ein großer Platz („Rabin Square“) aufgefallen. Aus Neugier bin ich dort also mal vorbei und sah nur ein paar riesige geschlossene weiße Zelte, die von außen ganz schön heruntergekommen waren.

Nachdem ich dann einmal komplett herum gelaufen bin, entdecke ich ein Schild mit Titel und Öffnungszeiten: „MARATHON EXPO“

Marathon Expo Rabin SquareEine Ausstellung also. Sowas habe ich mir schon gedacht. Drei Tage später schaffe ich es endlich mal, auch zu den Öffnungszeiten vorbei zu schauen. Von außen hört es sich eher an wie eine Disco. Am Eingang  natürlich wieder Sicherheitskontrollen. Offensichtlich kein Eintritt.

Ich schaue mich etwas um, es sieht tatsächlich aus, wie eine kleine Messe. Im ersten Zelt gibt’s ein Bällebad mit Herzform-Samsung-Bällen. Außerdem eine kleine Rennstrecke, wo Kinder unter Moderation um die Wette laufen können.

In dem zweiten Zelt werden gleich wieder alle deutschen (bayrischen) Klischees von der Firma Müller erfüllt. Frauen im Dirndl verschenken Jogurt vor Alben-Hintergrund. Yeah.

"Müller"-Stand "Marathon Expo" ab Rabin Square
„Müller“-Stand „Marathon Expo“ ab Rabin Square

Im dritten Zelt befindet sich eine große Theke, wo ganz viele Leute anstehen und irgendwelche Beutel bekommen. Über den jeweiligen Schaltern hängen teilweise Schilder mit „5km“ oder „10km“. Langsam dämmert es mir, worum es hier geht.

eine Hälfte der Schalter zur Anmeldung für den Tel Aviv Marathon
eine Hälfte der Schalter zur Anmeldung für den Tel Aviv Marathon

Google hilft auch schnell weiter – die Webseite des Tel Aviv Marathon ist sogar teilweise auf deutsch verfügbar. Offensichtlich findet hier in Tel Aviv ein Marathon-Lauf statt und hier registrieren sich die Leute. Ich schaue mich erstmal noch weiter um und verlasse die Zelte dann wieder.

Insgesamt scheint mir hier mehr der kommerzielle Event-Charakter als tatsächlich das Laufen im Vordergrund zu stehen. Nach wenigen Sekunden ist sofort ersichtlich, dass Samsung und Adidas hier Großsponsoren sind. Zur Sicherheit wird es auf der Homepage aber auch nochmal extra erwählt. Im Laufe der Tage sehe ich auch, dass an jeder Plakatwand in der Stadt für das Event geworben wird. Natürlich immer mit großen Samsung- und Adidas-Logos.

Auch wenn ich von diesen beiden Firmen wirklich nicht viel halte, will ich mir ein solches Event während meines Aufenthalts hier natürlich nicht entgehen lassen. Laut Homepage erwartet die Veranstalter 40.000 Gäste!

Am Abend frage ich meinen Gastgeber, ob er über den Marathon etwas weiß und ich sage ihm, dass ich mit dem Gedanken spiele, mich anzumelden. Online ist die Registrierung drei Tage vor dem Event leider schon geschlossen. Also probiere ich es am nächsten Abend direkt in der „Expo“ an besagtem Schalter.

Dort stehe ich erstmal 30min an, um dann gesagt zu bekommen, dass ich in der falschen Schlange stehe. Juhu. Da ich heute Abend unbedingt noch zu einer anderen Veranstaltung möchte, schaffe ich es zeitlich nicht mehr und frage nur kurz, ob eine Registrierung auch morgen noch möglich ist. Man empfiehlt mir, mittags zu kommen, da dann die Schlangen am kürzesten sind.

Tatsächlich muss ich am nächsten Tag gar nicht mehr anstehen und darf mich sofort anmelden. Während auf der Homepage noch die Rede von einem Euro Teilnahmegebühr war (im Nachhinein denke ich: wahrscheinlich ein Platzhalter in der Übersetzung), muss ich hier 160 ₪ (ca. 37 €) auf den Tisch legen.

Dafür bekomme ich allerdings direkt vor Ort einen coolen Beutel (leider natürlich mit Samsung- und Adias-Werbung) und ein Lauf-Shirt ausgehändigt. Der Beutel beinhaltet neben meiner Startnummer (die netterweise direkt mit vier Sicherheitsnadeln ausgehändigt wird!) einen ganzen Stapel Werbung.

Btw laufe ich [natürlich] keine 42km, sondern lediglich 5. Das haben wir im Sportunterricht 1-2mal gemacht, also weiß ich, dass ich das auch ohne Training schaffe. Eventuell hätte ich mir auch 10 zugetraut, aber da diese vor den 5km-Läufer*innen startet, hätte ich dann noch früher aufstehen müssen.

Donnerstag Abend treffe ich im Hostel bereits einige, die extra für den Marathon angereist sind. Aus Deutschland und den Niederlanden.

Der 5km-Lauf startet um 11 Uhr, damit kurz vor der Mittagshitze. Mein Wecker steht also auf 8 Uhr – sogar meine Klamotten habe ich am Abend vorher schon zurecht gelegt, um die anderen im Raum nicht durch Wühlerei zu wecken.

Natürlich brauche ich dann morgens doch länger als erwartet und komme kurz nach halb elf an der Ziel-Bahnstation an. Bereits am Startbahnhof treffe ich jede Menge Leute, die das selbe Shirt tragen wie ich. Am Bahnhof mache ich schon mal meine Startnummer dran, die dabei fast auf die Gleise fällt.

Let's Go!
Let’s Go!

Am Zielbahnhof merkt man schon, dass hier wirklich ein Großevent abläuft. Überall Security (noch mehr als sonst eh schon!) und ausgeschilderte Gassen für Läufer*innen und Zuschauer*innen. Bist zum Start muss man vom Bahnhof tatsächlich noch 15min entgegen der Strecke gehen (natürlich nicht auf der Strecke) und schon von weitem hört man die Party-Musik.

Sehr viele Menschen, tolle Stimmung, gute Laune, perfektes Wetter! Letzteres vielleicht zu perfekt, ich habe eine dicke Schicht Sonnencreme drauf, die ich im Laufe des Tages noch erneuern werde.

Die Veranstalter scheinen das nicht zum ersten Mal zu machen – alles ist top organisiert. Glücklicherweise gibt es kostenloses Wasser für alle – das ist auch dringend nötig bei Sport unter diesen Temperaturen.

Nachdem ich meine Tasche abgegeben habe, überlege ich noch, vorher zur Toilette zu gehen, aber da es hier nur sehr eklige Dixi-Klos gibt, verzichte ich darauf. Aus der Ferne hört ich die Aufforderung des Moderators: „5km runners please get ready!“. Also mache auch ich mich auf den Weg zur Startlinie. Die ist von der letzten Sicherheitsschleuse übrigens ca. 500m entfernt, was zeigt, auf wie viele Leute die hier ausgerichtet sind.

Die Musik ist laut, während ich mit vielen tausend anderen vor der Start-Linie warte, komme ich mir fast vor, wie bei einem Open-Air-Festival.

An der Startlinie (bzw ziemlich weit davor...)
An der Startlinie (bzw ziemlich weit davor…)

Irgendwann dann der hebräische Countdown und in der Ferne sehe ich, wie die ersten Leute los laufen. Da die Leute sehr eng stehen, ist der Anfang ziemlich gemächlich, bis es sich etwas verläuft. Die Gelegenheit nutze ich, für ein paar Fotos und kleine Videos.

Das Video ist leider gerade nur als MOV-Datei verfügbar, sorry!

Die Strecke ist in der Hitze wirklich nicht zu unterschätzen. Es gibt nur ein kleines Stück unter eine Brücke durch, wo Schatten ist. Ansonsten knallende Mittagssonne. Nach etwa 3km habe muss ich ein kurzes Stück mal einen Gang zurückschalten, weil mir die Hitze etwas zu hoch kommt und gerade auch keine Wasserstation in der Nähe ist.

Tel Aviv Marathon 2Tel Aviv Marathon 1

Ganz schön verschwitzt komme ich dann nach 35 Minuten im Ziel an. Mir wird direkt eine Medaille in die Hand gedrückt. Alle anderen erhalten auch eine Brötchentüte mit Apfel & Banane – warum ich keine bekommen habe? Keine Ahnung, nicht drauf geachtet.

Geschafft :-)
Geschafft 🙂

Die Party neigt sich schon langsam dem Ende. Man merkt, dass die ersten Läufe bereits um halb sieben heute früh begonnen haben und hier entsprechend nicht mehr so viel los ist. Am meisten Leute haben wohl den 10km-Lauf gemacht, weil dieser in drei Gruppen gestartet ist, während selbst die vielen 5km-Läufer*innen nur in einer Gruppe gestartet sind.

der "Party"-Platz am Start/Ziel, als schon (fast) alles vorbei ist
der „Party“-Platz am Start/Ziel, als schon (fast) alles vorbei ist

Der 5km-Lauf schien auch mehr Spaß als ernsthafter Lauf zu sein. Es wurde keine Zeit gemessen und auch sonst hatte ich nicht das Gefühl, dass die Leute das sonderlich ernst nehmen. Spaß hat es aber auf jeden Fall gemacht!

Falls ihr mal in die Gelegenheit kommen solltet, an so einem Event teilzunehmen – hier meine empfohlene Packliste für eure Tasche:

  • Wasserflaschen. Mehrere.
  • Kekse oder sonst irgendwas zu Naschen für nachher
  • Geld (und Busfahrkarte)
  • Deo (ganz wichtig! Das habe ich leider vergessen. Die Leute neben mir im Bus auf der Rückfahrt taten mir wirklich leid 🙁 )
  • Sonnencreme
  • Startnummer (hätte ich auch beinah vergessen)
  • Handy für Fotos und als Time-Tracker
  • Klopapier (gab’s in den Dixo-Klos leider nicht und hätte ich wirklich gebraucht)
  • Sonnenbrille und/oder Kappe (auch das hat mir gefehlt)

Ich hatte auch noch meine Jacke und eine lange Hose dabei – aus Angst, mir würde kalt werden, wenn ich verschwitzt bin. Fehlanzeige.

Autor: Andreas Krischer

Ich bin 17 Jahre alt, habe letztes Jahr die Schule abgeschlossen und arbeite seit dem als selbstständiger Webentwickler in meiner kleinen Agentur akbyte.com. Das hier ist mein privater Blog - über Reisen, Politik, irgendwelche Netzfundstücke oder war mir gerade einfällt. Und zur Sicherheit: alle Ansichten und Meinungen stehen völlig unabhängig von meinen Tätigkeiten bei akbyte, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN oder der GRÜNEN JUGNED.

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